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Paulo Coelho: Die Spionin – jetzt als Taschenbuch

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Paulo Coelho

Sein neuster Roman ›Die Spionin‹ jetzt als Taschenbuch!

Paulo Coelho, geboren 1947 in Rio de Janeiro, lebt heute mit seiner Frau Christina Oiticica in Genf. Alle seine Romane, insbesondere ›Der Alchimist‹, ›Veronika beschließt zu sterben‹, ›Elf Minuten‹ und zuletzt ›Die Spionin‹, sind Weltbestseller, wurden in 81 Sprachen übersetzt und erreichten eine bisherige Weltauflage von über 210 Millionen Exemplaren. Seine Reflexionen und die Themen seiner Bücher regen weltweit Leser zum Nachdenken an und dazu, ihren eigenen Weg zu suchen.

 

zum Interview mit Paulo Coelho über seinen Roman ›Die Spionin‹
© Xavier Gonzalez
© Xavier Gonzalez
Die Spionin

Die Spionin

Aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann. Mit einem Prolog, Epilog und Anmerkungen des Autors. Mit Schwarzweiss-Fotos und einem Anhang (Berichte, Nachruf)

Wer ist die Frau hinter dem schillernden Mythos? Paulo Coelho schlüpft in ihre Haut und lässt sie in einem fiktiven, allerletzten Brief aus dem Gefängnis ihr außergewöhnliches Leben selbst erzählen: vom Mädchen Margaretha Zelle aus der holländischen Provinz zur exotischen Tänzerin Mata Hari, die nach ihren eigenen Vorstellungen lebte und liebte und so auf ihre Art zu einer der ersten Feministinnen wurde. Doch als der Erste Weltkrieg ausbricht, lässt sie sich auf ein gefährliches Doppelspiel ein.

Mehr zum Inhalt

Als die junge Margaretha Zelle kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Paris aus dem Zug steigt, ist sie ein Niemand und mausarm. Wenige Monate später verschlägt sie als skandalöse Tänzerin Mata Hari einem Millionenpublikum den Atem und verdreht den mächtigsten Männern Europas den Kopf. Doch dann, mit Kriegsbeginn, wendet sich das Blatt, sie verliebt sich – und wird als vermeintliche Doppelagentin H21 des Hochverrats angeklagt.

Sie überrascht ihre Epoche bis zuletzt. Im Gefängnis verlangt sie Papier und Stift.

Paulo Coelho, der sich auf die inzwischen zugänglichen Geheimakten der britischen, deutschen und niederländischen Kriegsministerien stützen konnte (die französischen werden erst 2017 geöffnet), lässt in einem erfundenen letzten Brief Mata Hari selbst zu Wort kommen.

Das intime Porträt einer klugen, verführerischen Frau, die den männlichen Moralvorstellungen zum Trotz ihr selbstbestimmtes Leben führte – bis zuletzt. Und eine typische Coelho-Heldin: unkonventionell, mutig und frei.

»Sie war eine der ersten Frauen des 20. Jahrhunderts, die von Männern des 19. Jahrhunderts hingerichtet wurde.« ›Paulo Coelho‹


Taschenbuch
192 Seiten
erschienen am 26. Juli 2017

978-3-257-24410-6
€ (D) 11.00 / sFr 15.00* / € (A) 11.40
* unverb. Preisempfehlung
Auch erhältlich als
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Leseprobe

Paris, den 15. Oktober 1917  – Anton Fisherman mit Henry Wales für den International News Service

Es war kurz vor fünf Uhr morgens. Eine Gruppe von achtzehn Männern, vornehmlich Offiziere der französischen Armee, stieg hinauf in den zweiten Stock des Frauengefängnisses Saint-Lazare in Paris. Ihnen voran ging der Gefängnisaufseher mit einem brennenden Span und zündete damit die Öllampen an den Wänden an. Vor Zelle zwölf blieben alle stehen. Mit der Leitung des Gefängnisses waren Nonnen beauftragt. Schwester Léonide schloss die Tür auf, trat hinein, strich ein Streichholz an der Wand an und entzündete die Lampe im Inneren der Zelle. Dann rief sie eine der anderen Schwestern, damit sie ihr half. Behutsam legte sie ihren Arm um die Gefangene, die, wie beide Nonnen bezeugten, tief und ruhig schlief, und weckte sie vorsichtig. Diese nahm fast gleichmütig zur Kenntnis, dass dem Gnadengesuch, das sie einige Tage zuvor an den Präsidenten der Republik gerichtet hatte, nicht entsprochen worden war. Ob sie traurig oder erleichtert war, dass nun alles seinem Ende zuging, wir wissen es nicht.

Auf ein Zeichen von Schwester Léonide betraten nun auch Pater Arbaux, Hauptmann Bouchardon und Dr. Édouard Clunet, der Anwalt der Gefangenen, die Zelle. Letzterem übergab die Schwester einen langen, offenbar als Vermächtnis gedachten Brief, an dem die Gefangene wohl die ganze vergangene Woche lang geschrieben hatte, außerdem zwei graue Umschläge mit Zeitungsausschnitten. Die Gefangene zog (was unter den gegebenen Umständen grotesk erscheinen mag) ihre dünnen schwarzen Seidenstrümpfe an und schlüpfte in ihre mit Seidenschleifen geschmückten hochhackigen Schuhe. Dann erhob sie sich vom Bett, nahm einen knöchellangen Pelzmantel, dessen Ärmel und Kragen mit einer anderen Pelzart (möglicherweise einem Fuchspelz) besetzt waren, von einem Bügel über dem Kopfende ihrer Pritsche und zog ihn über den schweren Seidenkimono, in dem sie geschlafen hatte. Sorgfältig kämmte sie ihr zerzaustes schwarzes Haar, fasste es im Nacken zu einem Knoten zusammen und setzte sich einen Filzhut auf, den sie unter dem Kinn mit einer Seidenschleife festband, damit er draußen auf dem freien Feld, zu dem sie gebracht werden sollte, nicht vom Wind fortgetragen werden würde. Nachdem sie noch ein Paar schwarze Lederhandschuhe vom Tisch genommen und übergestreift hatte, wandte sie sich mit gleichgültigem Gesichtsausdruck den Männern zu und sagte mit fester Stimme: »Ich bin bereit.«